Seiteninhalt
31.08.2026

Wenn aus einem Bergmann ein Seemann wird

Wenn aus einem Bergmann ein Seemann wird, dann muss dahinter eine außergewöhnliche Lebensgeschichte stecken, die so wohl nur in der Lausitz geschrieben werden kann.

Wolfgang Kaiser kennt den Sedlitzer See nicht nur als Ausflugsziel

Foto: Wenn Wolfgang Kaiser seine Runde dreht, dann ist der Sedlitzer Hafen immer ein fester Ankerpunkt bei seinen Spaziergängen durch den Ortsteil.

Wolfgang Kaiser aus Sedlitz hat sein gesamtes Berufsleben der Kohle gewidmet. Heute, mit 90 Jahren, ist er gleicherrmaßen eng mit dem Wasser verbunden. Aus jenem Tagebau, der einst direkt vor seiner Haustür lag und sein Berufsleben prägte, ist ein See geworden.

Wenn Wolfgang Kaiser – wie zuletzt bei der Hafeneinweihung im Mai 2026 – mit einem Boot auf dem Sedlitzer See in See sticht, muss der ehemalige Bergmann mit Emotionen kämpfen. Dort, wo heute Seewasser in der Sonne glitzert, ist er einst durch Tagebausand gestapft. Später schrieb er sogar seine Diplomarbeit über die damals geplante Kohlegewinnung im Südfeld des Tagebaus Sedlitz.

Sein Leben für die Kohle ist heute ein Leben mitten im Lausitzer Seenland. Von seinem Garten sind es nur wenige hundert Meter bis zum größten Gewässer des Lausitzer Seenverbundes. Ob der Rostige Nagel auf Sedlitzer Gemarkung, der Rundradweg um den Sedlitzer See oder der Sedlitzer Hafen – Wolfgang Kaiser ist mit dem Wasser heute mindestens genauso eng verbunden wie früher mit der Kohle.

Der gebürtige Hosenaer kann auf eine außergewöhnliche Karriere zurückblicken. 1961 begann er als Ökonom seine Tätigkeit im Braunkohlenwerk Großräschen. Ein Fernstudium an der Ingenieurschule Senftenberg in der Fachrichtung Tagebautechnik ebnete den weiteren Weg.

Vom Mitarbeiter über verschiedene Leitungsfunktionen bis zum Abteilungs- und Hauptabteilungsleiter entwickelte sich seine berufliche Laufbahn. Später wurde Kaiser Direktor für Planung und Vorbereitung von Investitionen im damaligen Braunkohlenkombinat Senftenberg und schließlich stellvertretender Generaldirektor.

Damit trug er Verantwortung für alle Investitionen, die zu einem Tagebau, zu Brikettfabriken und Kraftwerken gehörten – von der Planung bis zur Vorbereitung und Umsetzung. Es war eine Aufgabe, die einen umfassenden Blick auf den Bergbau erforderte und Wolfgang Kaiser über Jahrzehnte eng mit der Entwicklung der Lausitzer Braunkohlenindustrie verband.

Auch nach der politischen Wende blieb er der Branche verbunden. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1999 war der Sedlitzer Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Kohle, zuständig für die ostdeutsche Braunkohleindustrie.

So eng seine beruflichen Stationen mit der großen Welt des Bergbaus verbunden waren, so fest war Wolfgang Kaiser in seiner Heimat verwurzelt. Für seine Karriere Sedlitz zu verlassen, kam für ihn nie infrage. Noch so verlockende Angebote schlug er aus – weil sein Herz und das seiner Frau für Sedlitz schlugen.

Diese Verbundenheit mit seinem Heimatort prägte auch sein ehrenamtliches Engagement. Insgesamt 16 Jahre lang war Wolfgang Kaiser Ortsvorsteher von Sedlitz. In dieser Zeit stellte er mit viel Herzblut, Leidenschaft und Biss wichtige Weichen für die Entwicklung des Ortes.

Die Neustrukturierung des Dorfangers, die Rekonstruktion der Kirche, der Erweiterungsbau für das Oberstufenzentrum, der Neubau der Feuerwehr und die neue Brücke über die Gleisanlagen gehören zu den Projekten, mit denen sein Name verbunden ist.

Dabei ging es ihm nie allein um Gebäude und Infrastruktur. Es ging um die Zukunft seines Dorfes und darum, Sedlitz lebenswert zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Die Natur spielte in seinem Leben ebenfalls immer eine wichtige Rolle. Knapp 30 Jahre lang war Wolfgang Kaiser als Imker aktiv. Die Arbeit mit den Bienen verband Naturverbundenheit, Geduld und Verantwortung – Eigenschaften, die ihn auch in vielen anderen Lebensbereichen begleiteten.

Viel unterwegs war der Sedlitzer schon immer. Mit seiner Frau bereiste er viele Länder, beispielswiese Nordamerika, Südafrika, Namibia, Neuseeland und Australien, China, Dubai und Island. Heute schaut er bei Spaziergängen durch den Ortsteil genau hin und ist stolz auf das, was entstanden ist. Auch mit dem Fahrrad und dem Auto ist der 90-Jährige regelmäßig unterwegs. Er möchte wissen, was sich entwickelt, was sich verändert und wie seine Heimat heute aussieht.

Besonders bemerkenswert ist dabei sein Blick auf den Wandel der Landschaft. Er kennt den Sedlitzer See nicht nur als Ausflugsziel, sondern auch als ehemaligen Tagebau. Er hat die Landschaft erlebt, als hier noch Kohle gewonnen werden sollte, und sieht nun, wie Wasser und Natur eine völlig neue Lausitz entstehen lassen.

Zu seinem bewegten Leben gehören auch fünf Jahre als Reiseleiter. In dieser Zeit war Wolfgang Kaiser mit Gästen in ganz Europa unterwegs – die Reisen führten ihn sogar bis zum Nordkap.

Vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Heimatverbundenheit und Neugier auf die Welt, die seinen Lebensweg ausmacht. Er hat die Lausitz nie verlassen und dennoch viel von der Welt gesehen. Er hat beruflich an großen Investitionsvorhaben des Bergbaus mitgewirkt und erlebt, wie sich die Landschaft seiner Heimat grundlegend verändert.

Der Bergmann ist zum Seemann geworden. Nicht, weil er seine Vergangenheit hinter sich gelassen hätte, sondern weil sich seine Heimat verändert hat. Wo einst Tagebausand lag, ist heute Wasser. Wo früher Kohle die Landschaft prägte, bestimmen nun Seen, Radwege und schiffbare Kanäle das Bild.

Und Wolfgang Kaiser ist mittendrin – aufmerksam und immer mit wachem Blick für die Veränderungen um ihn herum. Auf ein großes Ereignis steuert er mit seiner Frau noch in diesem Jahr zu: die Steinerne Hochzeit nach 67,5 Ehejahren.

 

Büro Bürgermeister
Leiterin und Pressesprecherin
Markt 1
01968 Senftenberg
Karte anzeigen

Kontaktformular