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Historisches

Bis zum 1. Januar 1974 verlief die Geschichte von Klein- und Großkoschen nebeneinander. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte die Eingliederung von Kleinkoschen zu Großkoschen. Seit 31. Dezember 2001 gehört Großkoschen mit dem Gemeindeteil Kleinkoschen zur Stadt Senftenberg.

Großkoschen

Wer vor circa 600 Jahren in Richtung Großkoschen wanderte, wurde schon am Dorfeingang vom Klappern einer Wassermühle empfangen. Ursprünglich wahrscheinlich für das Zerkleinern von Raseneisenerz gedacht, nutzte man sie später als Stampf-, Mahl-, Öl- und Schneidemühle bis schließlich 1700 der Müller auch die Brauberechtigung erhielt. Später wurde sie ein beliebtes Ausflugsziel mit Tanzdiele, Gondelteich und Bäckerei. Eine eigene Jagd und Fischerei gehörten ebenfalls zur Mühle. Bis etwa 1950 war sie als Getreidemühle in Betrieb.

Lange Zeit war Großkoschen ein sorbisches Dorf. So lebten im Jahre 1880 440 Sorben und ein Deutscher hier. Den Unterricht hielt man zweisprachig ab. Mit dem Aufschluss neuer Tagebaue siedelten sich zunehmend Industriearbeiter an. Die sorbische Sprache wurde zurückgedrängt, Deutsch als Amtssprache eingeführt.

In den Jahren 1881/82 entstand die Kirche des Dorfes. Das im neugotischen Stil errichtete Bauwerk ist bis heute sehr gut erhalten. Viele Bauernhöfe zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Architektur aus. Hoch aufgeschlossene Straßenfronten, wie sie in Großkoschen an verschiedenen Stellen zu sehen sind, gingen als "Senftenberger Höfe" in die Literatur ein.

Wahrzeichen des Dorfes ist von jeher der Koschenberg. Auf seiner Südseite baute man bis 1928 in größerem Umfang Wein an. Es machte die Bauern damals sehr stolz, Weinbergbesitzer zu sein. Inzwischen wächst am Hang des Koschenberges allerdings kein Wein mehr.

Viele Jahre prägte der Bergbau das Leben der Einwohner von Großkoschen. Traditionsreiche Gebäude wie die Hammermühle und Dorfmühle fielen dem Tagebau zum Opfer.

Gemeindeteil Kleinkoschen

Die Geschichte von Kleinkoschen reicht bis in das Jahr 1410 zurück. Zu diesem Zeitpunkt wird eine Siedlung namens Kleyne Koschin erstmals erwähnt. 1474 erhält der Ort - inzwischen Amtsdorf - einen Ortsrichter, der die Geschicke für die Einwohner leitet.

Kleinkoschen wurde als Platzdorf angelegt. Der Name ist vom slawischen Kosua abgeleitet und bedeutet Korb/Weidenkorb oder Fischreuse. Das Körbeflechten war eine der Haupterwerbsquellen der Koschener Bürger.

In der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends begann die schrittweise Besiedlung der Niederlausitz durch den sorbischen Volksstamm, die Lusizi. Auch in der Mitte des 19. Jahrhunderts wohnten ausschließlich Sorben in Kleinkoschen. Ihr Brauchtum gehörte zum Alltag. An langen Winterabenden fand sich die Dorfgemeinschaft zur Spinte und zum Federnschleißen in den Stuben ein. Man feierte Feste (wie Fastnacht oder Kirmes), pflegte Bräuche (wie das Osterwasser holen, Stollenreiten und das Aufstellen des Maibaumes).

Hervorgerufen durch zwei völlig unterschiedliche Ereignisse, Hochwasser und Dürre, gab es im 17. und 18. Jahrhundert zwei große Hungersnöte im Dorf.

Ihren Lebensunterhalt verdienten die Einwohner in der Landwirtschaft und durch den Fischfang. So sind auf dem ältesten Siegelbild von 1738 zwei Fische abgebildet. Sie verweisen auf den einstigen Fischreichtum des Ortes im Einflussgebiet der Schwarzen Elster. Zudem hatten viele Bauernhöfe ihren eigenen Fischteich. Er war durch einen Graben mit der Schwarzen Elster verbunden. Außerdem stach man bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts Torf in den feuchten Wiesen. Noch bis zur Mitte der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts lebten die Menschen in erster Linie von der Landwirtschaft.

Erst durch die Beanspruchung von Grund und Boden durch den Bergbau änderte sich die Situation. Fast 90 Prozent der Gemarkung, einschließlich der Gehöfte, fiel den Tagebauen zum Opfer. Den Tagebau Koschen, welcher den Ort am meisten beeinflusste, flutete man 1973. Die Sanierung der Böschungen und Uferbereiche begann jedoch erst nach dem Jahre 1990.